In Alessandro Bariccos Novecento stehen sich zwei Männer gegenüber, die unterschiedlicher kaum sein könnten: der Pianist, der sein ganzes Leben auf einem Schiff verbringt, und der Trompeter, der von Bord geht, durch Städte zieht, Geld verdient, verliert, wieder neu anfängt und schließlich die Geschichte des Pianisten erzählt.

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LESESPUREN
Manche Menschen suchen nach Büchern.
Andere suchen nach Fragen.
Lesespuren verbindet Literatur über gemeinsame
menschliche Erfahrungen.
Lesespuren versteht Literatur als Resonanzraum menschlicher Erfahrungen. Romane, Filme, philosophische Werke, psychologische Erkenntnisse und biblische Texte werden dabei nicht gleichgesetzt, sondern treten miteinander in einen offenen Dialog. Nicht jede Verbindung ist beabsichtigt – manche entsteht erst beim Lesen und Sehen.
Hier erfährst du, woran Lesespuren gerade liest, schreibt und weiterdenkt – von neuen Essays bis zu Fundstücken aus der Literaturwelt.
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Essays
Es gibt eine Stelle in Alessandro Bariccos Novecento, an der der Pianist erklärt, warum er das Schiff nie verlassen hat. Er spricht nicht von Angst, nicht von fehlenden Papieren, nicht von Geld oder Arbeit. Er spricht von Unendlichkeit.
Es gibt Menschen, die in großen Welten leben.
Und es gibt Menschen, die kleine Welten brauchen.
Es gibt Menschen, die die Welt sehen wollen.
Und es gibt Menschen, die eine Welt brauchen, in der sie jemand sind.
Der alte Mann aus Hemingways Roman gehört zu den Menschen, deren größte Leistung niemand wirklich sieht. Er fährt allein aufs Meer hinaus, weil er Fischer ist. Nicht, weil jemand ihn beauftragt hat.
Nicht, weil jemand zusieht. Nicht, weil es sicher ist, dass er Erfolg haben wird.
Er fährt hinaus, weil das sein Leben ist. Weil er...
Es gibt Arbeit, die man sehen kann, und Arbeit, die man nicht sehen kann. Sichtbare Arbeit hat Ergebnisse: Häuser, Projekte, Geld, Abschlüsse, Titel. Unsichtbare Arbeit hat Menschen.Kinder großziehen gehört zu dieser unsichtbaren Arbeit. Von außen sieht man nur, dass Kinder größer werden. Man sieht nicht die Nächte, die Sorgen, die Entscheidungen,...
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