Jun'ichirō Tanizaki – Lob des Schattens
Es gibt Kulturen,
die versuchen, alles hell zu machen,
und andere, die gelernt haben, im Halbdunkel zu leben.
Lob des Schattens von Jun'ichirō Tanizaki ist kein Roman, sondern ein Essay über Schönheit, Wohnen, Essen, Räume, Lack, Papier, Licht, Schatten und Zeit. Tanizaki beschreibt die traditionelle japanische Ästhetik und stellt sie der westlichen Welt gegenüber, die immer heller, glatter, sauberer und moderner werden will.
Es passiert nicht viel in diesem Buch.
Ein Mann denkt über Toiletten nach.
Über Lackschalen. Über Papierwände. Über Kerzenlicht. Über Schatten in Räumen.
Über alte Dinge. Über Patina. Über Stille.
Und langsam merkt man beim Lesen, dass dieses Buch nicht von Innenarchitektur oder Ästhetik handelt, sondern von einer Haltung zum Leben.
Im Westen soll alles sichtbar sein.
Hell. Sauber. Neu. Glatt. Perfekt.
Bei Tanizaki darf etwas alt sein.
Dunkel. Unperfekt. Still.
Nicht ganz sichtbar.
Schönheit entsteht nicht im grellen Licht, sondern im Schatten.
Nicht im Neuen, sondern im Gealterten.
Nicht im Perfekten, sondern im Benutzten.
Dieses Buch gehört zu den Büchern über leise Lebensformen.
Über die Frage, wie Menschen wohnen, essen, sitzen, schauen, altern und Zeit erleben.
Und darüber, dass Fortschritt nicht automatisch bedeutet, dass etwas besser wird.
Diese Lesespur folgt genau dieser Bewegung:
Nicht, wie Menschen schneller und moderner leben,
sondern wie Menschen stiller und bewusster leben könnten.
Leitfrage
Was geht verloren, wenn alles hell, neu und perfekt sein soll?
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🏷 Tags
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