Pachinko — Min Jin Lee


Buchdaten

Titel: Pachinko
Originaltitel: Pachinko
Autorin: Min Jin Lee
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Familienroman / historischer Roman

Worum geht es?

Pachinko erzählt die Geschichte einer koreanischen Familie über mehrere Generationen hinweg.

Im Mittelpunkt steht zunächst Sunja, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Korea aufwächst. Als sie jung und unverheiratet schwanger wird, verändert eine Entscheidung ihr gesamtes weiteres Leben: Sie verlässt ihre Heimat und geht mit einem Mann, der bereit ist, sie zu heiraten, nach Japan.

Aus dieser Bewegung entsteht eine Familiengeschichte, die sich über Jahrzehnte und Generationen erstreckt. Die Nachkommen versuchen, sich in Japan ein Leben aufzubauen – in einer Gesellschaft, in der ihre koreanische Herkunft immer wieder darüber entscheidet, wie sie gesehen werden und welche Möglichkeiten ihnen offenstehen.

So erzählt Pachinko von Migration und sozialem Aufstieg, von Armut und Arbeit, von Familie und Scham – vor allem aber davon, was geschieht, wenn Herkunft gleichzeitig Halt gibt und zur Grenze wird.

Warum dieses Buch geblieben ist

Das Beeindruckende an Pachinko ist vielleicht, wie wenig sich Herkunft auf einen Ort reduzieren lässt.

Eine Generation geht fort.

Die nächste wird bereits woanders geboren.

Und trotzdem beginnt die Geschichte nicht einfach neu.

Familien geben nicht nur Namen, Erinnerungen und Geschichten weiter. Sie geben Erfahrungen weiter: Vorstellungen davon, was Sicherheit bedeutet, welche Risiken man eingehen darf, wie viel man ertragen muss und was ein gutes Leben überhaupt sein könnte.

In Pachinko verändert sich mit jeder Generation die Welt, in der die Figuren leben. Doch die Vergangenheit verschwindet deshalb nicht.

Gerade darin liegt eine der stärksten Bewegungen des Romans: Menschen können sich weit von ihrem Ausgangspunkt entfernen und trotzdem ein Leben führen, das noch von Entscheidungen geprägt wird, die lange vor ihnen getroffen wurden.

Psychologische Lesespur

Unter der großen Familiengeschichte liegt die Frage nach Zugehörigkeit über Generationen hinweg.

Die Figuren versuchen immer wieder, einen eigenen Platz zu finden. Doch dieser Platz entsteht nicht unabhängig von Familie, Herkunft und gesellschaftlichen Zuschreibungen.

Besonders interessant ist dabei das Verhältnis von Anpassung und Selbstbehauptung.

Anpassung kann Schutz bedeuten. Sie kann ermöglichen, in einer Umgebung zu bestehen, in der Herkunft zum Nachteil wird. Gleichzeitig entsteht die Frage, was verloren geht, wenn Zugehörigkeit davon abhängig wird, Teile der eigenen Geschichte unsichtbar zu machen.

Pachinko zeigt diese Spannung nicht als individuelles Problem einzelner Figuren. Sie zieht sich durch Generationen.

Damit wird Familie zugleich zu einem Ort der Belastung und der Weitergabe von Kraft.

Lesespuren

Dieses Buch ist ein Roman über:

Herkunft und Familie
Migration und Zugehörigkeit
starke Frauenlinien
Armut und sozialen Aufstieg
Diskriminierung und Anpassung
Scham und Würde
Krieg und seine langen Folgen
Weitergabe über Generationen
Weggehen und Bleiben

Welche Erfahrung des Lebens macht dieses Buch sichtbar?

Dass ein neues Leben nicht zwangsläufig bedeutet, dass das alte verschwunden ist.

Menschen können Länder verlassen, gesellschaftlich aufsteigen, neue Sprachen sprechen und ihren Kindern Möglichkeiten eröffnen, die sie selbst nie hatten.

Und trotzdem bleibt Herkunft wirksam.

Pachinko macht sichtbar, dass wir unser Leben nicht bei null beginnen. Wir treten in Geschichten ein, die bereits vor uns begonnen haben.

Manches davon tragen wir weiter.

Manches versuchen wir abzulegen.

Und manches erkennen wir vielleicht erst dann als Teil unserer Herkunft, wenn wir längst glaubten, sie hinter uns gelassen zu haben.

Wenn dich dieses Buch beschäftigt hat

Wenn dich besonders die Frage interessiert, wie Herkunft über Generationen weiterwirkt, könnten auch diese Spuren weiterführen:

Homegoing — Yaa Gyasi
Zwei Familienlinien zeigen, wie historische Erfahrungen über Generationen hinweg unterschiedliche Lebenswege prägen.

Die Bagage — Monika Helfer
Ein Familienroman darüber, wie soziale Zuschreibungen, Armut und familiäre Geschichten lange nachwirken können.

Denkspur: Herkunft und Familie
Bücher und Essays über die Frage, was Familien weitergeben – und was Menschen daraus in ihr eigenes Leben mitnehmen.

Regal
2 – Ich und die Welt

Denkspuren
Herkunft und Familie · Starke Frauenlinien · Krieg → Nachkrieg → Kinder

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