Nora Imlau – Meine Grenze ist dein Halt


Buchdaten

Titel: Meine Grenze ist dein Halt
Autorin: Nora Imlau
Genre: Pädagogik · Elternschaft · Familienleben

Worum geht es?

Kinder brauchen Beziehung.

Und Kinder brauchen Grenzen.

Diese beiden Gedanken werden in Erziehungsdebatten manchmal behandelt, als müsste man sich zwischen ihnen entscheiden.

Nora Imlau verbindet sie.

Grenzen müssen Beziehung nicht unterbrechen.

Sie können Teil einer verlässlichen Beziehung sein.

Eltern dürfen Nein sagen.

Sie dürfen eigene Bedürfnisse haben.

Sie müssen nicht jede Frustration verhindern und nicht jeden Wunsch ihres Kindes erfüllen.

Entscheidend ist vielmehr, wie eine Grenze entsteht und wie Erwachsene mit den Gefühlen umgehen, die sie beim Kind auslösen kann.

Ein Kind darf enttäuscht sein.

Es darf wütend werden.

Es darf eine Grenze ungerecht finden.

Und der Erwachsene kann trotzdem bei seinem Nein bleiben.

Damit verschiebt sich die Frage von:

Wie bringe ich mein Kind dazu, meine Grenze zu akzeptieren?

Hin zu:

Wie kann ich Verantwortung für meine Grenze übernehmen und gleichzeitig mit meinem Kind in Beziehung bleiben?

Warum dieses Buch geblieben ist

Grenzen werden leicht mit Härte verwechselt.

Oder mit Konsequenz.

Oder mit der Vorstellung, ein Kind müsse lernen, dass Erwachsene bestimmen.

Imlau öffnet einen anderen Blick.

Eine Grenze muss keine Machtdemonstration sein.

Sie kann eine Information darüber sein, was ein anderer Mensch leisten kann, möchte oder gerade braucht.

Gerade dadurch wird sie auch für Kinder verständlicher.

Denn Kinder leben nicht mit grenzenlosen Erwachsenen zusammen.

Sie leben mit Menschen.

Menschen werden müde.

Sie brauchen Ruhe.

Sie möchten nicht alles mitmachen.

Sie besitzen Körpergrenzen, Zeitgrenzen und emotionale Grenzen.

Wenn Eltern diese Grenzen wahrnehmen und verantwortlich vertreten, muss das Beziehung nicht gefährden.

Im Gegenteil.

Ein Kind kann erleben:

Ein Nein verändert unsere Beziehung nicht grundsätzlich.

Du kannst wütend auf mich sein.

Und ich bleibe trotzdem da.

Psychologische Lesespur

Für viele Erwachsene ist Grenzen setzen nicht nur eine pädagogische Frage.

Es berührt die eigene Geschichte.

Vielleicht waren Grenzen in der eigenen Kindheit hart.

Vielleicht wurden sie nicht erklärt.

Vielleicht bedeutete Widerspruch Ärger.

Oder Liebesentzug.

Dann kann der Wunsch entstehen, es mit den eigenen Kindern vollkommen anders zu machen.

Doch auch das kann schwierig werden.

Wer jede Frustration vermeiden möchte, kann beginnen, die eigenen Grenzen immer weiter zu verschieben.

Bis aus Bindungsorientierung Selbstüberforderung wird.

Genau hier wird die Unterscheidung wichtig:

Die Gefühle eines Kindes ernst zu nehmen bedeutet nicht, jeden Wunsch erfüllen zu müssen.

Ein Kind darf an einer Grenze traurig oder wütend werden.

Die Aufgabe des Erwachsenen besteht nicht zwangsläufig darin, dieses Gefühl verschwinden zu lassen.

Er kann es begleiten.

Damit wird eine Grenze zu einer Beziehungserfahrung:

Wir können unterschiedlicher Meinung sein.

Du darfst fühlen, was du fühlst.

Und ich muss mich trotzdem nicht selbst übergehen.

Lesespuren

Dieses Buch ist ein pädagogischer Text über:

Grenzen
Bindung
Elternschaft
Verantwortung
Bedürfnisse
Frustration
Autonomie
Eltern-Kind-Beziehung
Selbstfürsorge
Konflikte
Sicherheit
Verbindung

Besonders stark führt Meine Grenze ist dein Halt zur Denkspur Cyclebreaking.

Wer selbst autoritäre, willkürliche oder verletzende Grenzerfahrungen gemacht hat, kann den starken Wunsch entwickeln, Grenzen mit den eigenen Kindern vollkommen anders zu gestalten.

Doch Cyclebreaking bedeutet nicht zwangsläufig, das Gegenteil der eigenen Kindheit zu tun.

Es bedeutet, genauer hinzusehen.

Welche Grenze ist notwendig?

Wessen Bedürfnis wird gerade geschützt?

Wie kann sie vertreten werden, ohne den anderen Menschen abzuwerten?

Und wie kann Beziehung bestehen bleiben, obwohl ein Kind mit dieser Grenze nicht einverstanden ist?

Ebenso führt das Buch zu Herkunft und Familie.

Denn unsere Vorstellungen von Grenzen entstehen nicht erst mit der eigenen Elternschaft.

Wir bringen Erfahrungen darüber mit, wie Nähe, Autorität, Widerspruch und Konflikt in unserer Herkunftsfamilie funktioniert haben.

Elternschaft kann diese Erfahrungen plötzlich wieder sichtbar machen.

Welche Erfahrung des Lebens macht dieses Buch sichtbar?

Dass ein Nein Beziehung nicht zerstören muss.

Vielleicht ist das eine der wichtigsten Erfahrungen, die Menschen innerhalb sicherer Beziehungen machen können.

Ich darf eine Grenze haben.

Du darfst darüber enttäuscht sein.

Und wir müssen uns deshalb nicht verlieren.

Gerade darin unterscheidet sich eine Grenze von Zurückweisung.

Die Grenze sagt:

Hier endet etwas.

Sie muss nicht sagen:

Hier endet unsere Beziehung.

Für Eltern liegt darin eine besondere Verantwortung.

Sie müssen nicht grenzenlos verfügbar sein, um ihren Kindern Sicherheit zu geben.

Vielleicht entsteht Halt sogar gerade dadurch, dass ein Kind erlebt:

Der Erwachsene kennt seine Verantwortung.

Er kennt seine Grenzen.

Er hält meine Gefühle aus.

Und er bleibt in Beziehung, auch wenn ich mit seiner Entscheidung nicht einverstanden bin.

Wenn dich dieses Buch beschäftigt hat

Wenn dich besonders interessiert, wie Grenzen, Bindung und elterliche Verantwortung zusammenspielen, könnten von hier weitere Spuren führen:

Gelassen erziehen – stark begleiten — Jan-Uwe Rogge
Rogge beschäftigt sich ebenfalls mit der Frage, wie Eltern Orientierung und Grenzen geben können, ohne Entwicklung durch Kontrolle zu ersetzen.

Zauberbuch Familienfrieden — Hanna Grubhofer
Hier rücken unterschiedliche Bedürfnisse innerhalb einer Familie stärker in den Mittelpunkt und die Frage, wie Konflikte möglich bleiben, ohne Beziehung in Gewinner und Verlierer aufzuteilen.

Familie und individuelle Entwicklung — Donald W. Winnicott
Winnicott öffnet die entwicklungspsychologische Perspektive dahinter: Ein Kind braucht eine ausreichend verlässliche Umwelt und zugleich zunehmend Raum, um ein eigenständiges Selbst zu entwickeln.

Denkspur: Cyclebreaking
Hier führen Bücher zusammen, die danach fragen, wie übernommene Familien- und Beziehungsmuster erkannt und bewusst anders weitergeführt werden können.

P-System
Psychologie / Entwicklung / Selbst - Regal

Denkspuren

Cyclebreaking · Herkunft und Familie

Essays zu diesem Buch
Essays zum Buch folgen.

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