Irvin D. Yalom – In die Sonne schauen


Autor: Irvin D. Yalom
Originaltitel: Staring at the Sun: Overcoming the Terror of Death
Ersterscheinung: 2008
Genre: Psychologie / Existenzielle Psychotherapie

Worum geht es?

Der Tod ist eine Gewissheit – und dennoch verbringen wir einen großen Teil unseres Lebens damit, nicht an ihn zu denken.

Irvin D. Yalom beschäftigt sich in In die Sonne schauen mit der Angst vor dem Tod und mit der Frage, wie das Wissen um die eigene Endlichkeit unser Leben prägt. Dabei schreibt er nicht abstrakt über Sterblichkeit. Er erzählt von Menschen, ihren Ängsten, seinen Erfahrungen als Psychotherapeut und von philosophischen Gedanken, die helfen können, dem Tod einen Platz im Leben zu geben.

Im Zentrum steht eine paradoxe Bewegung: Gerade die Auseinandersetzung mit dem Tod kann den Blick auf das Leben verändern.

Nicht weil die Endlichkeit dadurch verschwindet.

Sondern weil sie sichtbar macht, dass unsere Zeit begrenzt ist.

Warum dieses Buch geblieben ist

Vielleicht liegt eine der größten Zumutungen des Lebens darin, dass wir wissen, dass es endet.

Wir können dieses Wissen verdrängen, überdecken oder für lange Zeit vergessen. Doch manchmal tritt es näher: durch Krankheit, Verlust, Alter oder einfach durch einen Moment, in dem die eigene Vergänglichkeit plötzlich nicht mehr abstrakt erscheint.

Yalom versucht nicht, diese Angst mit einfachen Antworten zu beruhigen.

Er nimmt sie ernst.

Und gerade darin liegt die Stärke des Buches.

Die Angst vor dem Tod erscheint bei ihm nicht als etwas, das beseitigt werden müsste. Sie kann vielmehr eine Bewegung auslösen: hin zu der Frage, wie wir eigentlich leben wollen, solange wir leben.

Damit verschiebt sich der Blick.

Von der Frage, wie wir dem Tod entkommen können, zu der Frage, was wir mit der Zeit anfangen, die uns gegeben ist.

Psychologische Lesespur

Yalom gehört zu den wichtigen Vertretern der existenziellen Psychotherapie. Zu ihren grundlegenden Themen zählen Tod, Freiheit, Isolation und Sinn.

Die Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit kann Angst auslösen. Sie kann aber auch etwas freilegen, das im Alltag leicht verloren geht: das Bewusstsein dafür, dass Entscheidungen tatsächlich Entscheidungen sind, weil nicht unendlich viel Zeit zur Verfügung steht.

Nicht alles kann auf später verschoben werden.

Nicht jedes ungelebte Leben wartet unbegrenzt.

So wird die Todesangst bei Yalom auch zu einer Frage nach dem Leben selbst.

Was würde sich verändern, wenn wir unsere Endlichkeit nicht nur als Bedrohung betrachteten, sondern auch als Grenze, die unserem Leben Gewicht gibt?

Welche Erfahrung des Lebens macht dieses Buch sichtbar?

In die Sonne schauen macht eine Erfahrung sichtbar, der sich niemand vollständig entziehen kann: dass Leben und Endlichkeit nicht voneinander zu trennen sind.

Das Buch kann besonders dort Resonanz entfalten, wo die eigene Vergänglichkeit näher rückt – oder wo die Frage auftaucht, ob das Leben, das man führt, tatsächlich das Leben ist, das man führen möchte.

Yalom verspricht keine endgültige Versöhnung mit dem Tod.

Er lädt vielmehr dazu ein, ihn anzusehen.

Vielleicht nicht direkt und nicht dauerhaft.

Aber lange genug, um danach anders auf das Leben zu blicken.

Lesespuren

Dieses Buch ist ein psychologisches und existenzielles Buch über:

Endlichkeit
Todesangst
Vergänglichkeit
Sinn
Lebensentscheidungen
Verantwortung für das eigene Leben
die Kostbarkeit begrenzter Zeit


Tags:
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Regal
P7 – Existenz / Sinn / Leben

Denkspuren
Leise Lebensformen

Essays zu diesem Buch
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