Gelassen erziehen – stark begleiten - Jan Uwe Rogge


Buchdaten

Titel: Gelassen erziehen – stark begleiten
Autor: Jan-Uwe Rogge
Genre: Pädagogik · Erziehung · Elternschaft

Worum geht es?

Wie viel Führung brauchen Kinder?

Und wann wird aus Führung Kontrolle?

Jan-Uwe Rogge beschäftigt sich mit einem Familienalltag, in dem Eltern Orientierung geben müssen, ohne jede Entwicklung ihrer Kinder steuern zu können.

Kinder brauchen Grenzen.

Sie brauchen Erwachsene, die Verantwortung übernehmen.

Aber sie brauchen ebenso Raum, um eigene Erfahrungen zu machen, Konflikte auszuhalten und zunehmend selbstständig zu werden.

Damit richtet sich der Blick nicht nur auf das Verhalten von Kindern.

Auch Eltern geraten in den Mittelpunkt.

Wie reagieren Erwachsene, wenn Kinder widersprechen?

Wie viel Unsicherheit können sie aushalten?

Wann entsteht aus Sorge der Wunsch nach Kontrolle?

Und wie kann Beziehung bestehen bleiben, wenn Eltern und Kinder unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was gerade richtig wäre?

So wird Erziehung weniger zu einer Sammlung richtiger Methoden als zu einer Beziehungsaufgabe.

Warum dieses Buch geblieben ist

Gelassenheit klingt in der Erziehung zunächst nach Ruhe.

Doch vielleicht bedeutet sie etwas Anspruchsvolleres.

Nicht jede Situation sofort lösen zu müssen.

Nicht jedes unangenehme Gefühl eines Kindes beseitigen zu können.

Nicht jeden Konflikt als Zeichen dafür zu verstehen, dass in der Beziehung etwas falsch läuft.

Kinder entwickeln sich auch durch Reibung.

Sie widersprechen.

Sie testen Grenzen.

Sie wollen Dinge selbst entscheiden, für die Erwachsene weiterhin Verantwortung tragen.

Gerade darin liegt die Spannung von Elternschaft.

Begleitung bedeutet nicht, einem Kind alle Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen.

Aber ebenso wenig bedeutet sie, es mit diesen Schwierigkeiten allein zu lassen.

Zwischen diesen beiden Polen entsteht Beziehung.

Psychologische Lesespur

Elternschaft verbindet zwei Aufgaben, die leicht miteinander verwechselt werden können.

Verantwortung übernehmen.

Und Kontrolle ausüben.

Kinder brauchen Erwachsene, die Entscheidungen treffen, solange sie diese Verantwortung noch nicht vollständig selbst tragen können.

Doch Entwicklung verändert dieses Verhältnis.

Mit zunehmendem Alter braucht ein Kind mehr eigenen Handlungsspielraum.

Was gestern noch notwendige Unterstützung war, kann morgen bereits Einmischung sein.

Für Eltern bedeutet das, ihre Rolle immer wieder neu anzupassen.

Dabei wirken auch eigene Erfahrungen mit.

Wie wurden in der eigenen Kindheit Grenzen gesetzt?

Wie wurde mit Widerspruch umgegangen?

Was galt als gutes Benehmen?

Wie viel Eigenständigkeit war erlaubt?

Erziehung findet deshalb nie vollkommen unabhängig von der eigenen Herkunft statt.

Manches wird bewusst übernommen.

Anderes wird bewusst anders gemacht.

Und manches taucht gerade in stressigen Situationen wieder auf, obwohl man längst entschieden hatte, es nicht weitergeben zu wollen.

Lesespuren

Dieses Buch ist ein pädagogischer Text über:

Erziehung
Elternschaft
Grenzen
Gelassenheit
Verantwortung
Autonomie
Konflikte
Beziehung
Selbstständigkeit
Vertrauen
Begleitung
familiäre Prägung

Besonders stark führt Gelassen erziehen – stark begleiten zur Denkspur Herkunft und Familie.

Erziehung entsteht nicht im luftleeren Raum.

Eltern bringen Vorstellungen, Erfahrungen und Beziehungsmuster aus ihrer eigenen Geschichte mit.

Dadurch wird Elternschaft auch zu einem Ort, an dem Herkunft wieder sichtbar werden kann.

Ebenso führt das Buch zu Cyclebreaking.

Gerade im Zusammenleben mit Kindern können vertraute Muster plötzlich wieder auftauchen.

Dann entsteht die Möglichkeit, innezuhalten und zu unterscheiden:

Was möchte ich weitergeben?

Was möchte ich verändern?

Und welche Form von Beziehung soll mein Kind anders erleben dürfen?

Welche Erfahrung des Lebens macht dieses Buch sichtbar?

Dass Begleiten etwas anderes ist als Lenken.

Eltern können ihren Kindern Werte vermitteln.

Sie können Grenzen setzen.

Sie können Orientierung anbieten.

Aber sie können nicht festlegen, welcher Mensch aus ihrem Kind einmal werden wird.

Vielleicht besteht eine der schwierigsten Aufgaben von Erziehung deshalb darin, Verantwortung zu übernehmen und gleichzeitig zu wissen, dass diese Verantwortung Grenzen hat.

Ein Kind gehört zu einer Familie.

Aber sein Leben gehört ihm selbst.

Mit jedem Entwicklungsschritt verschiebt sich deshalb die Aufgabe der Eltern ein wenig.

Vom Tun.

Zum Begleiten.

Vom Entscheiden.

Zum Zutrauen.

Und irgendwann vielleicht zu einer Beziehung, in der Nähe nicht mehr davon abhängt, gebraucht zu werden.

Wenn dich dieses Buch beschäftigt hat

Wenn dich besonders interessiert, wie Eltern zwischen Führung, Beziehung und wachsender Selbstständigkeit ihrer Kinder navigieren können, könnten von hier weitere Spuren führen:

Familie und individuelle Entwicklung — Donald W. Winnicott
Winnicott fragt grundsätzlicher danach, wie eine ausreichend sichere familiäre Umwelt einem Kind ermöglicht, zunehmend ein eigenständiges Selbst zu entwickeln.

Wenn Töchter erwachsen werden — Lisa Damour
Hier wird diese Bewegung während der Adoleszenz besonders sichtbar: Verbundenheit bleibt wichtig, während Eltern gleichzeitig immer mehr Kontrolle abgeben müssen.

Das Buch, von dem du dir wünschst, deine Eltern hätten es gelesen — Philippa Perry
Perry richtet den Blick stärker auf die Beziehungsgeschichte der Eltern selbst und darauf, wie alte Muster im Umgang mit den eigenen Kindern wieder auftauchen können.

Denkspur: Cyclebreaking
Hier führen Bücher zusammen, die danach fragen, wie Menschen familiäre Muster erkennen und bewusst entscheiden können, was sie weitergeben möchten und was mit ihnen enden soll.

P-System
Psychologie / Entwicklung / Selbst - Regal

Denkspuren

Herkunft und Familie · Cyclebreaking

Essays zu diesem Buch
Essays zum Buch folgen.

Zur Übersicht
P-Bücher · Bucharchiv